Aurora Borealis


Pressebericht


DK, 05.05.2019

Nordische Sphären

Incanto Corale sang Chormusik aus Skandinavien und Estland in der Ingolstädter Moritzkirche

Ingolstadt (DK) Bei frischen Temperaturen zauberte der Chor Incanto Corale am vergangenen Samstag mit Musik aus dem hohen Norden warme Klänge in die Ingolstädter Moritzkirche.

Mit Werken von Komponisten aus Finnland, Schweden, Norwegen und Estland begeisterte das Ensemble unter der Leitung von Felix Glombitza zu später Stunde.

Mit dem ersten Ton des Chors gingen in der Moritzkirche in der Ingolstädter Innenstadt die Lichter aus. Die Musik wurde damit in dem um neun Uhr abends schon düsteren Gotteshaus zum Polarstern, zur Aurora Borealis - denn unter dieses Motto hatten die Sängerinnen und Sänger ihren Konzertabend gestellt.

Denn sphärisch flirrende Klänge hatte der Chor mit der "Berliner Messe" des Esten Arvo Pärt mit in die Dunkelheit von St. Moritz gebracht. Begleitet von Christian Ledl an der Orgel präsentierten die Musiker die einfachen schlichten Motive der Messe mit mal kantigen, mal schwebenden oder wohligen Harmonien. Beim Kyrie entfaltete sich der Chor beginnend mit den Frauenstimmen über einem schlichten Orgelton bis schließlich auch die Männer einstimmten.

Das Echospiel zwischen Orgel und Chor aus dem Kyrie fand sich auch im Sanctus der Messe wieder. Den flächigen Klängen in erdiger Tiefe der Sängerinnen und Sänger stellte Christian Ledl die feinen, glockenhellen Register der Orgel in seinen Zwischenspielen gegenüber. Das Gloria und das Agnus Dei verlangte vor allem den Frauenstimmen extreme Höhenflüge ab, die sie souverän meisterten. Das gelang den Chorsängerinnen auch bei "Taaveti laulu? des estnischen Komponisten Cyrillus Kreek. Ihre Höhen wurden von den Männerstimmen bei diesen vier vertonten Davidpsalmen aus der Bibel geerdet. Dadurch entstand eine wohlige musikalische Stimmung, die die frostigen Temperaturen der Moritzkirche fast vergessen ließ.

Bei Toivo Kuulas "Auringon noustessa" ließ Incanto Corale mit seiner ausgefeilten Dynamik - ganz gemäß des Titels - die Sonne aufgehen. Trotz den Tücken der nordischen Sprachen, wie bei diesem Stück auf Finnisch, waren die Absprachen der Sängerinnen und Sänger zusammen und sehr akkurat. Einen Abendgesang hatte das Ensemble mit dem schwedischen "Aftonen" von Hugo Alfvén im Programm. Mit zartem Summen verabschiedete sich das Ensemble vom scheidenden Samstagsabend und verbreitete eine fast meditative Stimmung. Noch stimmiger wäre die Atmosphäre gewesen, wenn auch nach der "Berliner Messe" das Kirchenschiff von St. Moritz in Dunkelheit gehüllt geblieben wäre.

Bewegter und energischer kam das "Listen to me" des norwegischen Komponisten Knut Nystedt daher: Der Chor schraubte sich beim Psalmtext des Stücks gemeinsam über längere Passagen chromatisch in die Höhe. Bei koloraturartigen Passagen zeigten die Musiker Beweglichkeit in der Stimme bei langen und raschen Melodiebögen, die fast an Barockmusik erinnerten.

Noch quirliger ging es bei Jaakko Mäntyjärvis "Pseudo Yoik" zu. Der finnische Komponist hatte sich dabei den rituellen, gutturalen Gesang der Ureinwohner Lapplands zum Vorbild genommen, den Yoik. Das von Mäntyjärvi mit einer Fantasiesprache versehene Stück präsentierte Incanto Corale rhythmisch, aber auch mit Juchzern und Fußstampfern impulsiv.

Zum Ende des Abends erloschen in der Moritzkirche zu Jean Sibelius "Finlandia" wieder die Lichter. Nicht nur das Stück präsentiert die Weite der skandinavischen Landschaft - auch das Ensemble hatte sich in der Weite des Kirchenraums verteilt und ließ diese Hymne, die heute wie keine zweite für Finnland steht dort lebendig werden. Trotz Dunkelheit und Weite zauberten die Sängerinnen und Sänger dabei einen gemeinsamen Klang und eine eindrucksvolle Dynamik und führten das fort, was sie bereits den ganzen Abend über gezeigt hatten: Stimmstärke.

Regina Greck





Hier finden Sie die aktuelle Pressemappe von Incanto corale